Vereinsdaten

gegründet 1946 

Gründungsmitglieder:
Dorothea Kronfeld, Kurt Becker, Hans Stoffers, Heinrich Diedrichsen und Arthur Sellentin. 

Ehrenmitglieder:

Helmut Lamp, Wilfried Zurstrassen, Alfred Nichterwitz und Günter Kreuzer. 

Mitglieder zur Zeit 192
aktive Mitglieder 144
passive Mitglieder 48
bewirtschaftete Fläche 39620
Gesamtfläche 41831
 
die Anlage ist in 121 Parzellen aufgeteilt
freie oder freiwerdende Parzellen stehen kurzfristig zur Verfügung
Anfragen sind erwünscht.

 

Vereinsgeschichte


Schönberg - Die Hauptstadt der Probstei

Schönberg in den 50-er Jahren
Schönberg hat schon immer eine besondere Versorgungsfunktion für die rd. 140 km² große Probstei mit ihren rd. 17.000 Einwohnern gehabt. Auch wenn das Etikett „Hauptstadt der Probstei“ auf den ersten Blick etwas unbescheiden klingen mag, so hat es dennoch seine Berechtigung. Diese zentrale Funktion Schönbergs dokumentiert sich nicht nur im wirtschaftlichen Bereich, sondern auch in den öffentlichen Einrichtungen. Realschule, Haupt- und Grundschule, Förderschule, Kindergärten, Jugendzentrum und Gemeindebücherei, Senioren-Wohnanlagen und Altenheim, zahlreiche Sportanlagen, Probstei-Museum und Kindheitsmuseum, Haus der Sicherheit und das Schönberger Klärwerk sind Institutionen, die nicht nur Schönbergerinnen und Schönbergern, sondern darüber hinaus vielen Mitbürgern in der Probstei zugutekommen. Schönberg hat vieles zu bieten und manche Besonderheit.
Es lohnt sich, hier zu leben und zu arbeiten.

Vor 67 Jahren wurde der Kleingärtnerverein Schönberg und Umgegend e.V. gegründet.

Es waren die gesellschaftlichen Verhältnisse damals,
die zur Gründung des Vereins führten.
Es war das Jahr 1946, die Zeit der Not und des Hungers.
Nichtberufstätige bekamen damals Nahrung auf .Friedhofskarte", wie der Bezugsschein für die Mindestration genannt wurde. In einigen Regionen unterschritten die amtlichen Tagesrationen für den "Normalverbraucher" (den der Volksmund .Otto" nannte) bald deutlich die 1.000-Kalorien- Grenze.
Seit der Kölner Erzbischof Josef Frings nach dem Motto "Not kennt kein Gebot" öffentlich Verständnis für das massenhafte Kohlenklauen auf Güterbahnhöfen bekundet hatte, wurde jedwede Form des Mundraubs als .Frinqsen" bezeichnet. An der Tagesordnung waren auch
Schwarzbrennen, Schwarzbacken, Schwarzschlachten und der Schwarzmarkt, wo die .Lucky Strike" als Leitwährung fungierte, wo ein Radioapparat schon mal für 400 Zigaretten den Besitzer wechselte oder ein goldener Ring mit Diamant für 2 kg Kaffee und 50 Zigaretten wegging
- und bei Hamsterfahrten aufs Land alles verhökert wurde, was nicht satt machte.


Es fehlte an allem.
Zu Hause versuchten viele, den Speiseplan aufzubessern - mit Bucheckern, aus denen sich Öl pressen ließ, mit Muckefuck aus Pflanzenwurzeln oder mit Notbrot aus Kartoffelschalen. Begehrt waren zeitgemäße Rezepte: 10 Pfund Eicheln ergeben 7 Pfund Eichenmehl, aus denen mit Wasser, Molke und Zucker eine süße Eichelsuppe gekocht werden konnte.


So sah es aus 1946.
Nicht nur in den großen, vom Krieg zerstörten Städten. Auch in Schönberg gab es die hier beschriebenen Versorgungsengpässe. Warum das so war, wird rasch deutlich, wenn man sich die damaligen Einwohnerzahlen Schönbergs anschaut. 1939 hatte Schönberg 1.770 Einwohner, 1946 waren es rd. 4.500 bei unverändertem Wohnungsbestand. 1945 verdoppelte sich fasst in wenigen Monaten die Zahl, weil viele Flüchtlinge aufgenommen und versorgt werden mussten
und das, obwohl die Versorgungslage ohnehin schwierig war. Damals waren Obst, Gemüse und Kartoffeln ein Geschenk des Himmels und der Kleingarten war das Paradies, das die Chance zur Selbstversorgung bot. Hinzu kam, dass der Krieg viele Menschen entwurzelt und Gemeinschaften auseinander gerissen hatte. Das Bedürfnis nach einer eigenen Scholle und nach Gemeinschaft war damals besonders ausgeprägt.
Aber die Selbstversorgung stand eindeutig im Vordergrund. In dieser schwierigen, von Not und Hunger geprägten Situation fanden sich hier bei uns Menschen, die von den Bauern Ländereien anpachteten, um sie dann in Parzellen aufgeteilt an Selbstversorger zu verpachten. Der erste
Pachtvertrag wurde am 01.04.1946 mit Kurt Becker abgeschlossen. Sein Garten war auf der Reuterkoppel am alten Sportplatz. Das ist quasi der Geburtstag des Kleingartenvereins von Schönberg undUmgebung.
Gründungsmitglieder waren neben Kurt Becker, Dorotea Kronfeldt, Hans Stoffers, Heinrich Diedrichsen und Arthur SeIlentin.
Noch im Laufe des Jahres 1946 kamen weitere Koppeln hinzu: Die Vögekoppel in Richtung Fiefbergen, die Muhskoppel am Rauhen Berg, die Klindtkoppel und die Jessienkoppel, beide in Neuschönberg gelegen, die Heuerkoppel am Stakendorfer Tor sowie Koppeln in Passade und
Probsteierhagen. Die Pächter dieser Gärten schlossen sich dann am 25.10.1946 dem  Kleingärtnerverein Schönberg an, der damals bis zu 800 Mitglieder zählte.


Der 1. Vorsitzende wurde Hans Stoffers, der mit dem Vater von Helmut Lamp am 15.12.1948 einen Generalpachtvertrag für die Kuhlenkampkoppel unterzeichnete. Diese Koppel wurde dann das Herzstück des Vereins und wird als einzige heute noch bewirtschaftet.
Anfang der 50er Jahre verbesserte sich zusehends die Versorgungssituation. Gemüse und Kartoffeln waren nicht mehr Mangelware, man konnte sie überall in Läden und auf Märkten kaufen. Gleichzeitig entspannte sich die Einwohnersituation in Schönberg. Durch die Familienzusammenführung in der Bundesrepublik verließen viele Menschen, die vertrieben und hier bei uns eine Bleibe gefunden hatten, unsere Gemeinde. Während 1950 Schönberg noch 5.082 Einwohner zählte, sank diese Zahl schon wenige Jahre später auf unter 4.000. Im
Zuge dieser Entwicklung verließen viele Mitglieder den Verein, der damals kurz vor der Auflösung stand. Mit großem Engagement hat der damalige Vorsitzende Kurt Engler das schließlich zu verhindern gewusst.


Es begann in der Bundesrepublik die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und des Wirtschaftswunders. Die Notwendigkeit der Selbstversorgung, um die eigene Existenz zu sichern, war endgültig vorbei. Den Menschen ging es wieder deutlich besser. Viele Gärten
fanden in dieser Zeit keinen Pächter. Das Unkraut wucherte und Gärten verwilderten. Da packten dann Leute wie der 1. Vorsitzende Georg Wilkens, Edwin Misch, Kurt Becker, Hartwig Möller und Herbert Winter mit an, um die Anlage wieder in Schuss zu bringen. Dazu gehörte auch
die Entwässerung der gesamten Anlage, die damals in Angriff genommen und in Eigenregie realisiert wurde.

1969 übernahm Alfred Nichterwitz als 1. Vorsitzender das Ruder. Er blieb es bis 1982. Keiner seiner Vorgänger und seiner Nachfolger hat diese Aufgabe so lange wahrgenommen wie er, der übrigens heute noch in der Schiedsstelle des Vereins aktiv ist. Seinem langjährigen Engagement hat der Verein viel zu verdanken. Viele Weichen wurden damals gestellt, die noch heute das Gesicht der Kleingartenanlage prägen. Bestand bis Ende der 60er Jahre die Anlage meist nur aus
kleinen Feldern, wurden jetzt richtige Wege angelegt. Man konnte nun auf einem Rundweg durch die Anlage spazieren. Eine Wasserleitung wurde verlegt und die ganze Anlage neu eingezäunt. Die Gemeinde sorgte durch eine entsprechende Ausweisung im Flächennutzungsplan dafür, dass die Anlage als Dauerkleingarten planungsrechtlich abgesichert wurde. In die Amtszeit von Alfred Nichterwitz fiel auch der Bau des Vereinsheims. Es war Georg Brasch, der sich für dieses Projekt besonders stark machte und dabei die Unterstützung vieler
Gartenfreunde fand. Es war letztlich eine großartige Gemeinschaftsleistung, die schließlich 1974 dazu führte, dass das .Zwitscherstübchen" zum neuen Domizil der Kleingärtner wurde. Mit dem gleich großen Einsatz wie Alfred Nichterwitz führte dann ab 1982 Siegfried Grewin insgesamt 10 Jahre den Verein weiter, bis seine schwere Krankheit ihn zum Rücktritt zwang. In seiner Amtszeit wurde die Zusammenarbeit zwischen Kleingärtnerverein und Gemeinde noch weiter intensiviert. Das Bundeskleingartengesetz brachte neue Regeln, die er umsetzen musste. Im engen Schulterschluss mit der Gemeinde wurde ein Bebauungsplan aufgestellt, der die Nutzung des Geländes dauerhaft und rechtsverbindlich festschreibt. Siegfried Grewin achtete genau darauf, dass die Anlage gut in Schuss und in Ordnung war. Der Erfolg blieb nicht aus. Im Landeswettbewerb 1985 erhielt der Verein dafür eine bronzene Medaille.
1992 übernahm mit Margret Bestmann erstmals in der Vereinsgeschichte eine Frau den Vorsitz. Sie musste sich nicht nur mit Fragen des Gartenbaus beschäftigen, sondern auch mit Fragen der Abwasserbeseitigung. Die Finnenhaussiedlung erhielt seinerzeit eine neue Kanalisation und auch
das Zwitscherstübchen musste daran angeschlossen werden. Gleichzeitig entschloss man sich zu einem Neuen Toilettenanbau. Den Kanalanschlussbeitrag, den der Verein zahlen musste, erließ die Gemeinde dem Verein und unterstützte mit einem Zuschuss den Toilettenanbau

Nachdem Max Brendtke in einer Übergangsphase den Vorsitz übernahm und den Verein wieder in ein ruhiges Fahrwasser führte, hat jetzt Jörg Engelhardt seit 1997 dieses Amt inne.

Auch in diesen fasst 16 Jahren sind eine Reihe von Maßnahmen angepackt worden. Die Namensgebung der einzelnen Wege, der Ausbau des Nebengebäudes beim Zwitscherstübchen, die Einrichtung von Büro-, Werkstatt- und Lagerräumen und der Aus- und Umbau des Vereinsheimes, sowie aktuell den Ausbau der Regenwasserleitung und Drainage, sind Beispiele hierfür. Aber nicht nur Gebäude wurden ausgebaut, sondern - was für das Vereinsleben
besonders wichtig ist - auch die Mitgliederzahl. Von 165 im Jahre 1997 ist sie inzwischen auf 200 angestiegen. Eine Zahl, die nicht nur für die Schönberger Kleingartenanlage spricht, sondern gleichermaßen für die Arbeit des Vorsitzenden und seines Vorstandes. Das gilt umso mehr, als
in anderen Vereinen die Mitgliederzahlen im Sinkflug begriffen sind. Die ganz überwiegende Zahl der Mitglieder kommt aus Schönberg, ca. 15 % sind Auswärtige und alle 121 Parzellen sind verpachtet.


Das ist eine Erfolgsbilanz, auf die der Verein stolz sein kann. In den zurückliegenden 67 Jahren hat sich unsere Gesellschaft erheblich verändert und mit ihr auch die Funktion des Kleingartens.
Versorgungsengpässe wie 1946 gibt es heute nicht mehr. Trotzdem: Der Kleingarten ist geblieben. Gewandelt hat sich mit den Verhältnissen in unserer Gesellschaft allerdings seine Bedeutung. Am Anfang stand der Hunger nach Essbarem, heute ist es der Hunger nach dem Naturerlebnis und nach der Erholung, der im Vordergrund steht. Das "grüne Wohnzimmer" ist ein Ort, an dem die Menschen Ruhe und Entspannung finden nach der Hektik des Alltags. Hier hat alles seine Zeit: Es gibt eine Zeit des Pflanzens und des Erntens, eine Zeit des Tuns und eine Zeit
des Wartens. Auch die körperliche Betätigung bei der Gartenarbeit ist in einer Zeit, die durch Stress und Bewegungsarmut geprägt ist, ein Beitrag zur Gesundheitsförderung.
Und ein Urlaub auf oder Parzelle kann weitaus erholsamer sein als ein Ausflug mit Stau auf der Autobahn. Ein Kleingarten ist also keineswegs ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Vielmehr ist er Ausdruck eines zeitgemäßen Lebensstils, in dem Gesundheitsbewusstsein und Naturverbundenheit wieder bedeutsam geworden sind. Auch der Selbstversorgungsgedanke spielt für Manchen wieder eine Rolle, wenn auch auf andere Weise als vor 67 Jahren. Denn viele Kleingärtnerinnen und Kleingärtner schätzen es, ihr Obst und Gemüse biologisch anzubauen, um sich gesund zu ernähren, hier weiß man, was man isst. Der Umweltschutz macht in der Schönberger Anlage nicht vor der Gartenpforte halt. Die Gemeinde hat deshalb den  Kleingärtnern schon vor geraumer Zeit den Schönberger Umweltpreis zuerkannt.

Das besondere der Kleingartenanlage und des Vereins ist aber auch, dass man sich nicht gegenüber der Öffentlichkeit abschottet. Die Kleingartenanlage in Schönberg ist ein offenes Haus. Sie ist für Jedermann zugänglich und hat damit den Charakter einer öffentlichen
Grünanlage.
Diese Kleingartenanlage ist eine "grüne Visitenkarte" der Gemeinde. Die Vereinsarbeit bezieht sich aber nicht nur auf die eigene Einrichtung, sondern auf das Gemeinschaftsleben in der Gemeinde schlechthin.
Das wird nicht nur beim gemeinsamen Kinderfest von Verein und Gemeinde sichtbar, sondern auf vielen Veranstaltungen, die im Ort stattfinden und an denen sich die Kleingärtner beteiligen. Und im Zwitscherstübchen wird Nachbarschaft gelebt, mit allem, was dazu gehört. Hier haben nicht nur Pflanzen, sondern auch Menschen Wurzeln geschlagen.